Wenn wir heute über KI in der Weiterbildung sprechen, landen wir schnell bei der Frage nach Tools, Prompts und Effizienzgewinnen. Die eigentlich interessante Frage liegt tiefer: Was macht KI mit der Rolle des Referenten selbst und was bedeutet das für Sie, wenn Sie ein Seminar auswählen oder in Auftrag geben?
Die Aufgabe bleibt, die Form verändert sich
Der Referent verliert durch KI nicht seine Aufgabe. Er organisiert weiterhin die Seminarsituation, vermittelt fachliche Grundlagen und trägt Verantwortung für den Lernprozess. Was sich verändert, ist die Form, in der diese Verantwortung wahrgenommen wird.
Bisher lag der Schwerpunkt in vielen Seminaren stark auf Impuls und Vermittlung: Der Referent bereitet Wissen auf, strukturiert es didaktisch und erklärt Zusammenhänge. Die Teilnehmenden hören zu, erproben das Gelernte und wenden es anschließend an.
Diese Rollenverteilung verändert sich, sobald KI selbst als Wissens- und Arbeitswerkzeug zur Verfügung steht: jederzeit verfügbar, geduldig und für Rückfragen offen.
Die Konsequenz ist nicht der Rückzug des Referents. Vielmehr erweitert sich sein didaktisches Instrumentarium. Neben dem fachlichen Input treten Lernfragen, Aufgabenstellungen, Übungen, Reflexion und individuelle Beratung stärker in den Vordergrund. Der Referent vermittelt also weiterhin Wissen. Zugleich gestaltet er Lernwege, auf denen die Teilnehmenden selbst aktiv werden.
Ermöglichen statt nur vermitteln
Das Ziel dieser Verschiebung ist klar: Teilnehmende sollen lernen, sich Wissen und Fähigkeiten zunehmend eigenständig und mithilfe von KI zu erschließen. Der Referent schafft dafür die Voraussetzungen, gibt Orientierung und hilft dabei, Ergebnisse einzuordnen und zu bewerten.
Das klingt zunächst nach einer Entlastung. Tatsächlich verlagern sich jedoch die Anforderungen. Eine gute Lernfrage zu entwickeln oder eine Aufgabe so zu konstruieren, dass sie zum eigenständigen Arbeiten mit KI anregt, verlangt ein anderes didaktisches Vorgehen als die reine Vermittlung von Inhalten.
Denn KI kann Antworten liefern. Ob diese Antworten fachlich richtig, für den konkreten Zweck geeignet und tatsächlich hilfreich sind, müssen die Teilnehmenden jedoch beurteilen können. Genau hier gewinnt die Rolle des Referents an Bedeutung.
Wie das konkret aussehen kann
Nehmen wir unser Seminar „Klare Texte schreiben“. Dort geht es unter anderem darum, Texte zielgruppengerecht aufzubauen, Kernbotschaften herauszuarbeiten, verständlich zu formulieren und Texte systematisch zu überarbeiten. Auch KI-Tools für die Texterstellung gehören inzwischen zum Themenfeld des Seminars.
Eine klassische Übung könnte darin bestehen, einen umständlich formulierten Geschäftstext zu analysieren und anschließend zu überarbeiten. Mit KI lässt sich daraus eine weiterführende Lernaufgabe entwickeln: Die Teilnehmenden erhalten beispielsweise eine schwer verständliche interne Mitteilung. Zunächst analysieren sie selbst: Wer ist die Zielgruppe? Was ist die Kernbotschaft? Welche Informationen sind überflüssig? Wo erschweren lange Sätze, abstrakte Begriffe oder Nominalformulierungen das Verständnis?
Anschließend lassen sie den Text von einer KI überarbeiten. Doch damit ist die Aufgabe nicht beendet. Nun vergleichen sie das KI-Ergebnis mit ihren eigenen Kriterien: Ist der Text tatsächlich klarer geworden? Hat die KI wichtige Informationen verändert oder weggelassen? Passt der Ton zur Zielgruppe? Welche Formulierungen würden die Teilnehmenden übernehmen und welche nicht?
Die Referentin liefert dafür die fachlichen Kriterien, stellt die richtigen Fragen, gibt Feedback und greift dort ein, wo Einordnung notwendig ist. Die KI erledigt also nicht die Lernarbeit. Sie liefert Material, an dem gelernt werden kann. Der entscheidende Lernschritt besteht nicht darin, einen möglichst guten Prompt einzugeben. Er besteht darin, Qualität beurteilen zu können.
Was das für Ihre Seminarauswahl bedeutet
In Beratungsgesprächen richtet sich der Blick bei KI häufig zuerst auf die eingesetzten Tools. Mindestens ebenso wichtig ist jedoch die Frage: Wie wird KI didaktisch eingesetzt?
Für Sie als Teamleiter oder Weiterbildungsentscheider heißt das: Achten Sie bei der Auswahl eines Anbieters nicht nur darauf, ob KI im Seminar vorkommt. Fragen Sie danach, welche Rolle sie im Lernprozess übernimmt.
Wird KI hauptsächlich eingesetzt, um schneller Antworten und fertige Ergebnisse zu erzeugen? Oder dient sie als Werkzeug, mit dem Teilnehmende ausprobieren, vergleichen, hinterfragen und eigene Lösungen entwickeln? Und welche Rolle übernimmt dabei der Referent? Liefert er weiterhin vor allem fertige Antworten oder schafft er Lerngelegenheiten, in denen die Teilnehmenden zunehmend selbstständig arbeiten und zugleich fachlich fundiertes Feedback erhalten?
Diese Fragen lassen sich in einem guten Erstgespräch mit dem Anbieter klären. Sie sagen oft mehr über die Qualität eines Seminars aus als eine lange Liste eingesetzter Tools. Denn am Ende sollte Weiterbildung nicht dazu führen, dass KI für die Mitarbeitenden denkt. Sie sollte sie vielmehr dazu befähigen, mit KI kompetenter zu denken, zu entscheiden und zu handeln.






